Keine Armut, kein Hunger

Chepang – Kosrang: Selbstversorgung und Einkommen verbessern

Im März 2021 trafen sich Tsering und Pasang Lama zwei Mal mit Vertretern der Dorfbewohner*Innen von Kosrang, um gemeinsam die weitere Hilfe zu besprechen. Die Dorfbewohner“Innen brachten als Erstes die Zufriedenheit mit den bisherigen, 2020 abgeschlossenen Projekten wie dem Schulanbau und dem Bau des Wasserreservoirs zum Ausdruck und bedankten sich beim BHN – Team. Die Besprechungen ergaben, dass als nächstes Projekt im Sinne der Nachhaltigkeit die derzeit desolate Situation der Landwirtschaft, in welcher praktisch alle Dorfbewohner tätig sind, zu verbessern. Die Gründe des Rückganges der Ernten sind nicht bekannt. Gemeinsam wurde deshalb beschlossen, dass von BHN als Erstes ausgehend von Bodenanalysen eine Fachberatung in Auftrag gegeben werden soll.
Von Pasang Lama konnten als Fachexpertinnen Ms. Astha Adhikari und Ms. Pralisha Adhikari (agriculture-officer) gewonnen werden.

Bereits im April wurden unter Anleitung der Expertinnen gezielt Bodenproben entnommen und im staatlichen Forschungszentrum in Pokhara analysiert. Gleichzeitig erfolgten weitere vertiefte Besprechungen/Abklärungen mit Dorfbewohner*Innen.

Auf Basis der durchgeführten Abklärungen und der Analysen der Bodenproben erstellte Ms. Astha ihren Projektvorschlag:
„Die Chepangs sind eine indigene ethnische Gruppe, die ursprünglich aus Zentralnepal abstammt. Die Mehrheit ist hauptsächlich in der Landwirtschaft tätig. Angesichts der zunehmenden Bevölkerungszahl, des Mangels an Ackerland und der vom Monsun
abhängigen Landwirtschaft ohne geeignete Bewässerungsmöglichkeiten war diese Gemeinschaft immer im Hintertreffen. Sie war nicht in der Lage, sich selbst zu verbessern. Einer der Hauptgründe dafür ist das Fehlen an grundlegenden Kenntnissen
über Bodengesundheit, Nährstoff- und Wassermanagement sowie integrierten Pflanzenschutz. Auch wissen sie kaum etwas über eine ausgewogene Ernährung.

Mit dem Projekt wollen wir diese Lücke schließen, indem wir ihnen grundlegende Kenntnisse über gute landwirtschaftliche Praktiken vermitteln, um die Produktion zu verbessern und ihren Lebensunterhalt langfristig zu sichern. Die Chepangs werden mit der Nährstoffpyramide und ihrer Bedeutung für ihre Gesundheit und die ihrer Kinder vertraut
gemacht.


Die erste Projektphase wird daher den Aufbau von Führungsqualitäten und der Bildung von Gruppen unterstützen, die Lücke in der landwirtschaftlichen Praxis schließen und sie durch eine Ernährungsperspektive sensibilisieren.
Diese erste Phase wird auch dazu beitragen, den Weg für die zweite Phase des Projekts zu ebnen, die sich auf die Identifizierung von einkommensschaffenden Aktivitäten und die Schulung der Gemeinschaft zur Verbesserung ihres Lebensstandards als
Ganzes konzentrieren.“

September 2021

Nach einem erneuten 4-monatigen Lockdown sowie den teils verheerenden Auswirkungen des Monsun konnte im September mit der Schulung der Dorfbewohner endlich begonnen werden. Der einwöchige Kurs hatte die Bildung einer Gruppe zum Ziel. Diese Gruppe soll in der Lage sein, das erworbene Wissen weiterzugeben, die Projektorganisation zu leiten und weitere Dorfbewohner*Innen zu sensibilisieren und die verfügbaren Ressourcen wie Wasser oder organisches Material zur Düngung bzw. Kompostherstellung sinnvoll zu nutzen. Nach den ersten theoretischen Grundlagen wurde die Gruppe vor allem auch über die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen informiert. Dieser erste Schulungsteil stand unter dem Motto: Hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Ernährung. Die Schulung erfolgte an zwei ausgewählten Orten, da der Anmarsch der
teilnehmenden Bevölkerung zum Teil über 3 Stunden dauerte.

Im November reisten der Vertreter von BHN Pasang Lama und die beauftragten Expertinnen Ms. Ashta und Ms. Pralisha wieder für eine ganze Woche nach Kosrang, um das Projekt weiter zu entwickeln.

Schwerpunkte bildeten:

Die weitere Betreuung der praktischen Anleitung der ausgewählten Familien zur Pflege der neuen Hausgärten bzw. der neu angepflanzten Gemüsesorten.

Die Integration der Jungen in das Projekt im Rahmen der Schulbildung. Dazu wurden die von der Dr. Rath Health Foundation gespendeten Kinderbücher zum Thema Vitamine, Mikronährstoffe in der Ernährung verwendet.

Ausbildung der Dorfbewohner zum ersten Anbau von Speisepilzen (Kräuterseitlinge).

Bei diesem Projektteil steht die Einkommensverbesserung der Dorfgemeinschaft im Vordergrund. Dazu sollen Speisepilze gezüchtet und vermarktet werden.

Die nachhaltige Pilzanzucht ist grundsätzlich eine grosse Herausforderung sowohl punkto Einrichtungen wie der Bau eines geeigneten Raumes mit möglichst lokalem Material zusammen mit den Dorfbewohnern als auch das Schaffen von günstigen Wachstumsbedingungen für die Pilze. Unter der hervorragenden Vorbereitung, Anleitung und Mithilfe ist ein wichtiger Schritt zum Erfolg dieses Projektteils realisiert worden – ein grosses Kompliment für diesen bereits sichtbaren Erfolg verdienen Pasang Lama, Ms. Astha mit ihrem Team sowie allen aktiv mitwirkenden Dorfbewohnern*Innen. Die Bilder sprechen für sich!

Raum für optimale Wachstumsbedingungen (Tunnel aus Bambusgerüst, Plastikhülle bedeckt mit Gras und Stoffsäcken)

Herstellung von Kulturbehältern gefüllt mit sterilem Substrat (Elefantengras)

Befüllen und platzieren der Kulturbehälter im «Zuchttunnel»

Pilzernte

Start zur Vermarktung der Pilz – und Gemüseernten: 1. kleines Einkommen!


Sauberes Wasser und Sanitäre Einrichtungen, Abfall

Bau von Toiletten,

495 in Musahar-Babarganj und 29 in Chepang-Kosrang:

Babarganj:

Im Dezember 2018 kam die überraschende Nachricht von Pasang LAMA, dass aufgrund behördlicher Vorschriften (Polizeikontrollen) auch in unserem Projektgebiet Toiletten sofort erstellt werden müssen. Mangels Toiletten und Fehlen jeglicher anderer sanitären Einrichtungen erledigten die Dalits bis anhin ihre Notdurft auf dem Feld. Nun soll ein
Jeder mit einer Geldbusse bestraft werden, der sein „Geschäft“ weiterhin draussen entledigt. Die Verzweiflung ob dieser Vorschrift ist sehr gross, da diese Menschen meist mittellos sind. Etappenweise sollen nun diese Toiletten-Anlagen erstellt werden.
Durch die Mitarbeit der einheimischen Bevölkerung, den einheitlichen Materialeinkauf von Pasang Lama sowie die Beteiligung der Regierung sollen die Kosten insgesamt tiefausfallen. Der Bau der Toiletten dient auch als Arbeitsbeschaffungsmassnahme.
Erstellt wurden bisher in Babarganj 280 Toiletten 2021 – 150).

Koshrang:

Mit dem Bau der 29 Toiletten in Chepang Kosrang wurde im Dezember 2021 begonnen und im April 2022 abgeschlossen. Die Arbeiten gestalteten sich im steilen und felsigen Gelände entsprechend schwierig. Das Baumaterial Steine und Kies wurde vor Ort aus dem Aushubmaterial gewonnen und integriert sich somit sehr gut in die schöne Landschaft. Die Arbeiten erfolgten ausschliesslich manuell durch die Gemeinschaft der Dorfbewohner. Durch BHN wurde das zugekaufte Material wie Zement, Armierungseisen, Dachabdeckung, Türen, Toilettenschüsseln etc. finanziert, ebenso die Entlöhnung der Arbeiter und Arbeiterinnen. Mit dem Bau dieser 29 gewünschten Toiletten ist ein lang gehegter Wunsch der Familien in Erfüllung gegangen. Freude und Dankbarkeit sind entsprechend gross.

Plastikabfälle vermeiden und verwerten:

Plastikabfälle finden sich heute praktisch überall, so auch in den beiden Hilfsgebieten von BHN. Diesem weltweiten grossen Problem will BHN auch bei der Umsetzung derHilfsprojekte begegnen. Parallel zu den Kursen „Selbstversorgung u . Einkommen
verbessern“ wurde von den Expertinnen Ms. Astha und Pralisha ein eigener Kurs durchgeführt. Die Teilnehmer*Innen wurden auf das Problem aufmerksam gemacht und Lösungsmöglichkeiten vor allem das Vermeiden und das Recycling aufgezeigt und
praktische Lösungen besprochen. Das Thema soll in all unseren Hilfsgebieten – auch zusammen mit den Behörden – weiter verfolgt werden.

Bildung

Musahar – Basti Haripur: Sunshine Day School

Mit diesem Projekt wurde eine Kindertagesstätte für 45 – 60 Kinder im Alter von 2 – 10 Jahren der im Dorf Basti Distrikt Haripur lebenden 27 Familien realisiert. Die Elternteile dieser Familien arbeiten praktisch alle in der nahe gelegenen Backsteinfabrik. Die Arbeit in solchen Fabriken ist bekannt als schlecht bezahlt (Akkordarbeit), gesundheitsschädigend (Staub), lange und ungeregelte Arbeitstage. Für die Dalits, die sog. Unberührbaren ist diese Arbeit sehr wichtig und garantiert ihnen ein sicheres, wenn auch nur geringes Einkommen. Da beide Elternteile gezwungen sind zu arbeiten, sind die Kinder oft unbeaufsichtigt und viel allein unterwegs.

Ein weiteres Ziel neben einem geschützten Aufenthaltsraum ist es, den Zugang zur Bildung für diese unterprivilegierten Kinder zu verbessern. So können sie gut auf die staatliche Schule vorbereitet werden. Von Bedeutung ist auch, dass nach und nach die Gleichstellung der unterschiedlichen Gesellschaftsstrukturen erreicht wird. 

Das Projekt wurde an 2 Treffen zwischen Gemeindevertretern, Tsering und Pasang Lama, eingehend besprochen.

Nach den Konsultationen mit den Dorfbewohnern wurde geplant und das Projekt im Detail beschrieben. Mit dem Bau wurde im Januar 2022 begonnen. Als Erstes wurde der Baugrund eingesegnet und um gutes Gelingen gebetet.

„Einsegnung“

Eröffnung, Einweihung und Übergabe der Sunshine Day School an die Gemeinde Basti: